Dr. Ulrike Schaupp
Dr. Ulrike Schaupp
6. Oktober 2016
Volker Bormann
Volker Bormann
6. Oktober 2016

Matthias Tschierschke

Wie kam es dazu, dass Sie nun als Hochzeitstheologe tätig sind?

In meinem Dienst als Pastor habe ich schon vorher öfter und mit Freude Trauungen innerhalb der Kirchengemeinde durchgeführt.
Ich bin der Meinung, dass man in einer Ehe die schönste und tiefste Form der Liebe lebt, weil sie auf der Grundlage der Treue und des Vertrauens gebaut ist. Das gegenseitige Versprechen vor den wichtigsten und liebsten Menschen, den Lebensweg gemeinsam gehen zu wollen, stärkt das Beziehungsfundament und gibt der Liebe Halt und Kraft. Die Erinnerung an diesen einzigartigen Moment und die Erneuerung dieses Versprechens kann die Liebe und Ehe immer wieder erfrischen, wie ich es selbst in nunmehr fast 26 Ehejahren erfahren durfte.
Immer mehr Paare aus ganz unterschiedlichen religiösen Hintergründen wollen sich das Ja-Wort geben. Und das auch nicht mehr ausschließlich in einem klassischen Kirchengebäude. Viele können mit Gott und der Kirche nicht mehr so viel anfangen, halten aber christliche Werte für gut und wertvoll.
Und so sehe ich meine Tätigkeit als Hochzeitstheologe als eine Erweiterung meines Dienstes als Theologe und auch als Chance, diesen Paaren in einer Freien Trauung den angemessenen Rahmen für diese einzigartige Feier zu bieten.


Worin sehen Sie die Vorteile einer freien Trauung und worauf legen Sie ganz persönlich viel Wert, wenn Sie ein Paar trauen dürfen?

DBei einer Freien Trauung hat man die Möglichkeit, ganz individuell auf das Paar einzugehen. Schon in der Vorbereitung, beim ersten Treffen, beim Planen und dann auch direkt bei der Hochzeit steht Braut und Bräutigam im Mittelpunkt. Ihre Liebe, ihre Geschichte, ihre Einzigartigkeit und natürlich ihre Wünsche und Vorstellungen prägen die ganze Zeremonie. Symbole und symbolische Handlungen unterstreichen den eigenen Charakter des Paares.
Ich finde es wichtig, dass die große Freude über diese Lebensentscheidung durch Humor und auch mit der angemessenen Würde unterstrichen wird. Lachen ist bei mir ausdrücklich erlaubt! Weinen natürlich auch…


Was fällt Ihnen spontan ein, wenn man Sie nach dem schönsten Moment einer Ihrer Trauungen fragt?

Es war vor einigen Wochen. Bei einer Trauung im Freien ohne Alternative für einen trockenen Raum zogen bedrohliche Regenwolken heran. Als die ersten Tropfen fielen, drohte die ganze Feier zu kippen. Das Brautpaar und die zahlreichen Gäste waren ziemlich angespannt, inklusive mir selbst.
Plötzlich brach die Sonne durch und die Wolken verzogen sich. Alles strahlte und ich konnte dieses Naturereignis spontan als lebendiges Bild in meine Traurede einbauen. Denn auch in einer Ehe gibt es ja bekanntlich manchmal „schlechtes Wetter“. Und wie gut, wenn dann wieder die Sonne scheint!
Ein starkes Bild für Vergebung nach einem Streit…


Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass die Ehe als Lebensweg immer mehr entdeckt wird. Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten einen Trend weg von der Ehe erlebt, aber in den letzten Jahren hat sich da etwas verändert. Junge Menschen entdecken ganz neu, was für ein Glück es ist, mit dem Menschen, den man liebt, freiwillig fest verbunden zu sein. Nicht durch Fesseln, sondern durch so etwas wie ein Sicherungsseil zweier Bergsteiger, die gemeinsam neue Horizonte entdecken und gemeinsam an Orte kommen, die sie allein nie erreichen würden…


Was können Sie allen Paaren mit auf den Weg geben, die kurz vor einer Hochzeit stehen?

Bereitet euch auch auf die Ehe vor, nicht nur auf die Hochzeit.

Ein Beispiel für eine Vorbereitung: Mit meiner Frau führe ich Ehevorbereitungskurse durch, in denen man gezielt über Dinge spricht, die für Verliebte meistens kein Hauptgesprächsthema sind.

Über mich

Matthias Tschierschke
Matthias Tschierschke
vorwiegend tätig im Raum München / Augsburg und auch Nürnberg. Wohnhaft in Ingolstadt
Matthias Tschierschke
86706 Weichering